Biowein, biodynamischer Wein oder Naturwein – was ist der Unterschied?

Von Lili Coustenoble
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Seit ein Bekannter Ihnen einmal sagte, dass man von Biowein keine Kopfschmerzen bekommt, trinken Sie nichts anderes mehr! Schließlich sind Sulfite nicht für Ihre Migräne verantwortlich (zumindest laut Ihrem Bekannten). Aber enthält biologischer, natürlicher und biodynamischer Wein nun Sulfite oder nicht? Fühlen auch Sie sich im unendlichen Universum der Bio- und Natur-Weine verloren? In diesem Artikel erklären wir Ihnen die Unterschiede!

Bio-Wein

Lassen Sie uns zunächst über Biowein im weitesten Sinne sprechen. Seit 2012 wird die gesamte ökologische Weinerzeugung durch eine EU-Richtlinie geregelt. Sie garantiert, dass keine chemischen Produkte, Pestizide, Herbizide oder Unkrautvernichter zur Behandlung der Weinreben verwendet werden. Für die Düngung sind ausschließlich natürliche Produkte erlaubt, wie zum Beispiel Kompost.

Bei der Weinbereitung dürfen nur zertifizierte Bio-Produkte (Hefen, Bakterien, Enzyme etc.) hinzugefügt werden. Und was Schwefel (da hätten wir die berühmten Sulfite) betrifft, so darf dieser zwar in Bio-Weinen enthalten sein, aber die Dosis ist auf 100 bis 370 mg pro Liter begrenzt.

Biodynamischer Wein

Im Gegensatz zu Bioweinen gibt es hier keine europäische Richtlinie. Wie können wir sie also erkennen? Zur Identifikation dienen die Etiketten von Demeter und der französischen Organisation Biodyvin (ausschließlich für Weinbaubetriebe). Die Grundprinzipien der biodynamischen Landwirtschaft sind: Arbeit im Einklang mit der Natur und Respekt vor dem Ökosystem, dem Boden und der Pflanze sowie die Berücksichtigung der Vegetationszyklen der Rebe und der minimale Einsatz von Zusatzstoffen bei der Weinbereitung.

Die maximal zulässige Dosis an Schwefel für diese Weine liegt bei 90 mg pro Liter. Zusammengefasst sind biodynamisch hergestellte Weine also in erster Linie Bioweine, allerdings mit einem noch konsequenteren Ansatz seitens des Winzers.

Naturwein

Kommen wir nun zu den immer beliebter werdenden Naturweinen (vin naturel in Frankreich oder raw/natural wine in den USA). Und hier wird es zugegebenermaßen kompliziert. Seit einigen Jahren ist diese Art von Wein sehr in Mode gekommen und spaltet die Meinung von Experten und Genießern gleichermaßen. Während die einen lautstark behaupten, dass dies die einzig richtige Methode der Weinherstellung sei, verstehen die Verfechter traditioneller Methoden diese Begeisterung nicht (für sie ist es nur eine Modeerscheinung bei Leuten, die ohnehin nichts über Wein wissen). Die Debatte ist jedenfalls sehr lebhaft!

Aber was genau macht einen Naturwein aus? Es handelt sich um einen Wein aus Trauben, die nach biologischen oder biodynamischen Methoden angebaut wurden. Die Weinlese erfolgt von Hand und bei der Weinbereitung sind Eingriffe durch den Winzer aufs Mindeste reduziert, um das Ökosystem im Weinberg zu erhalten.

Auch die Zugabe von Chemikalien, mit Ausnahme von Sulfiten in sehr geringen Mengen (30 mg/Liter für Rotweine und 40 mg/Liter für Weißweine), ist untersagt. Ein Naturwein ist also mehr oder weniger ein vergorener Traubenmost, der jedoch aufwendigste Arbeit und eine ständige Begleitung durch den Winzer voraussetzt. Naturweine werden weder gefiltert noch geschönt. Man erkennt Sie meist daran, dass sie leicht trüb sind und im Falle von Weißweinen eine leicht orangene Färbung aufweisen.

Und die Sulfite?

Entgegen der landläufigen Meinung enthalten alle Weine Sulfite, da sie bereits von Natur aus in den Trauben vorhanden sind und während der Gärung entstehen. Verwendet der Winzer überhaupt keinen Schwefel, so spricht man von Weinen ohne Zusatz von Sulfiten.

„Und was ist mit meinen Kopfschmerzen?“, fragen Sie. Leider müssen wir Sie enttäuschen: Die Hauptursache für Kopfschmerzen ist und bleibt auch bei Naturweinen übermäßiger Alkoholkonsum. Obwohl festgestellt wurde, dass Sulfite das Aufkommen von Migräne begünstigen können, sind diese vor allem in extrem großen Mengen gefährlich.

Heutzutage reduziert die Mehrheit der Winzer (nicht nur bio-zertifizierte) die Dosis der Sulfite. Dennoch sollten wir nicht vergessen, dass Schwefel trotz seiner jüngsten Verteufelung tatsächlich von Nutzen ist. Er garantiert eine bessere Konservierung des Weins, da er den Sauerstoff neutralisiert und verhindert, dass die Weine oxidieren.

Da Sie nun alles über biologische, biodynamische und Naturweine gelernt haben, geht es jetzt an die Verkostung. Bei Drinks&Co finden Sie eine große Auswahl an Bio-Weinen. Zum Wohl!

Der Artikel wurde von Anja Krimsky übersetzt und im Original von Lili Coustenoble geschrieben: Vin bio, biodynamique ou nature, quelles sont les différences?

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