Cava, Champagner, Sekt und Prosecco: Schaumwein ist nicht gleich Schaumwein

Von Chelsea Cummings
Schaumweine zu den Festtagen

Schaumweine zu den Festtagen

Wenn Sie vorhaben, dieses Jahr die Korken knallen zu lassen, aber nicht so richtig wissen für welchen Schaumwein Sie sich entscheiden sollen, haben wir für Sie passend zur Jahreszeit das kleine Einmaleins der Schaumweine zusammengestellt.

Cava, Champagner, Sekt und Prosecco kann man leicht miteinander verwechseln. Was die vier gemeinsam haben und worin sie sich unterscheiden, erzählen wir Ihnen im folgenden Artikel.

Tauchen wir gemeinsam ein ins prickelnde Geschehen indem wir beim Urvater aller Schaumweine anfangen: dem Champagner.

Champagner

Herkunft

Champagner darf sich ein Schaumwein nur nennen, wenn er in der gleichnamigen Region Champagne im Norden Frankreichs angebaut und hergestellt wurde. Seine Entstehungsgeschichte reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück, als der Benediktinermönch Dom Pierre Perignon rein zufällig den Champagner entdeckte.

Rebsorten

Drei Rebsorten sind zur Champagnerherstellung zugelassen: Pinot Noir (auch Spätburgunder genannt), Pinot Meunier und Chardonnay.

Herstellung

Champagner wird nach der Méthode traditionnelle, oder Méthode champenoise, hergestellt. Während der Lagerung in den Kellern erfolgt eine zweite Gärung im Innern der Flasche. Diese setzt CO2 -Moleküle frei, die dem Champagner seine feinen Perlen verleiht. Gleichzeitig beginnt der Prozess der Autolyse: Die Hefen zersetzen sich und verleihen dem Champagner seine typischen Aromen, die an Hefeteig, Brioche und Toastbrot erinnern. Nach der Mindestlagerzeit von 15 Monaten für jahrgangslose bzw. 36 Monate für Jahrgangschampagner werden die Flaschen degorgiert, um den Hefesatz vom Wein zu trennen.

Preis

Champagner ist mit Abstand der Teuerste unter den Schaumweinen. Dies lässt sich auf verschiedene Faktoren zurückführen: Die Mindestlagerzeit ist gewöhnlicherweise länger als bei Cava, Prosecco und Sekt und der Herstellungsprozess weitaus aufwendiger. Aber auch Nachfrage und internationales Prestige erhöhen seinen Marktpreis.

Geschmack

Verschiedene Champagner können recht unterschiedlich riechen und schmecken, dennoch gibt es durch den langen Reifungsprozess in der Flasche und den Zersetzungsprozess der Hefen Gemeinsamkeiten: Champagner besitzt stets die typischen Aromen von Hefe, Keks, Brotteig und Brioche und eine besonders feine Perlage.

Champagner & Speisen

Champagner ist der perfekte Begleiter zum Aperitif schlechthin. Gleichzeitig harmoniert er mit einer weitläufigen Auswahl an Gerichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Probieren Sie ihn zu Austern, Kaviar, Meeresfrüchten, Kartoffelchips oder sogar zu frittiertem Hähnchen. Der natürliche Säuregehalt im Champagner neutralisiert die Fette und Öle aus den Speisen und „reinigt“ den Gaumen mit jedem Schluck. Oder Sie probieren ihn zu fruchtigen Desserts wie Erdbeertörtchen, Crêpes und Buttergebäck zum Abschluss eines gelungenen Essens.

Konsum

Frankreich liebt sein Top-Produkt und führt mit Abstand die Rangliste im Champagnerkonsum an: Im Jahr 2020 wurden in unserem Nachbarland sage und schreibe 113 Millionen Flaschen Champagner getrunken. Darauf folgten Großbritannien mit beachtlichen 21 Millionen Flaschen und die USA mit rund 20 Millionen Flaschen.

Schaumweine zu den Festtagen: Champagner

Cava

Herkunft

Cava hat seinen Ursprung in der katalanischen Weinregion Penedès. Die Stadt Sant Sadurní d’Anoia ist das Herz der Region und wird oft als „Hauptstadt des Cava“ bezeichnet. Aber auch im Ebrotal, entlang der Levante-Küste und in Extremadura wird traditionell Cava hergestellt. 

Rebsorten

Die weißen Rebsorten Macabeo (auch bekannt unter dem Namen Viura), Xarel·lo und Parellada bilden das Dreigestirn der Coupage, aber auch der Einsatz von Chardonnay, Garnacha Tinta, Malvasía, Trepat, Pinot Noir und Monastrell sind erlaubt.

Herstellung

Cava wird genau wie Champagner nach der método tradicional, oder Méthode champenoise, hergestellt. Unterschieden wird Cava nach der Mindestreifezeit in der Flasche: Beim Cava oder Cava de Guarda sind dies 9 Monate, beim Cava Reserva 18, beim Cava Gran Reserva 30 und beim Cava de Paraje Calificado mindestens 36 Monate.

Preis

Obwohl der Herstellungsprozess beider Schaumweine sich fast vollständig gleicht, ist Cava generell etwas günstiger im Preis als Champagner. Dies ist einerseits auf die kürzeren Mindestlagerzeiten zurückzuführen, andererseits werden die Arbeitskosten durch automatisierte Prozesse beim Rütteln, Degorgieren und der Dosage erheblich gesenkt. Diese Arbeitsschritte werden in vielen traditionellen Champagner-Häusern in Frankreich noch immer von Hand durchgeführt.

Cava ist also genau die richtige Wahl für all diejenigen, die einen hervorragenden Schaumwein genießen möchten, ohne allzu viel Geld ausgeben zu wollen.

Geschmack

Junger Cava ist meist hellgelb mit grünlichen Reflexen und besticht vor allem durch seine lebendige Perlage und sein besonders frisches Aromaprofil von grünen Äpfeln, Zitronen, Akazie und Anis. Je länger der Cava reift, umso intensiver werden Farbe und Aromen. Ein Cava Gran Reserva weist deutlich komplexere und reifere Aromen auf: Bratapfel, getrocknete Aprikosen, geröstete Haselnüsse, Butter, Brioche und Holzrauch. Die Perlage wird feiner und langanhaltender.

Cava & Speisen

Cava und Tapas … „It’s A Match!„. Vor allem junger Cava macht als Begleiter zu Manchego-Käse, Oliven, Mandeln, Kartoffelchips und iberischem Schinken eine gute Figur. Reiferer Cava darf gern auch zum Essen entkorkt werden: Probieren Sie ihn zu Fischpaella oder geräuchertem Lachs.

Konsum

Der internationale Markt umfasst fast 70% des Cavakonsums. Vor allem in Nordeuropa wird Cava gerne getrunken, weshalb Deutschland, Großbritannien und Belgien die Rangliste der Länder mit dem höchsten Konsum anführen.

Schaumweine: Cava

Sekt

Herkunft

Sekt ist die in Deutschland und Österreich gängige Bezeichnung für Qualitätsschaumwein mit einem Alkoholgehalt von mindestens zehn Volumenprozent. Winzersekt ist ein individuelles Erzeugnis des jeweiligen Winzers, bei dem 100% der Trauben von den eigenen Reben stammen müssen. 

Rebsorten

Entscheidend für Geschmack und Qualität des Sektes ist die Auswahl der Grundweine, aus denen die Cuvée zusammengestellt wird. In Deutschland werden bevorzugt Rebsorten wie Riesling und Pinot Noir (Spätburgunder) zur Herstellung verwendet, in Österreich Grüner Veltliner und Zweigelt.

Herstellung

Bei der Herstellung von Sekt wird zwischen drei Herstellungsverfahren unterschieden: dem Charmat-Verfahren, der Flaschengärung im Transvasierverfahren und der traditionellen Methode oder Flaschengärung

Genau wie bei Champagner und Cava findet bei der traditionellen Methode die zweite Gärung im Innern der Flasche statt. Dieses Verfahren wird vor allem bei der Herstellung von Winzersekt angewandt. Hochwertige deutsche Sekte ruhen mehrere Jahre „auf der Hefe„. Der Gesetzgeber schreibt eine Lagerung von mindestens neun Monaten vor. Je länger die Lagerung auf der Hefe erfolgt, desto delikater wird das Aroma und desto feiner werden die Sektperlen. Nach der Lagerung wird der Sekt durch das Rütteln von der Hefe getrennt.

Beim Charmat-Verfahren findet – gleich wie beim Prosecco – die zweite Gärung in geschlossenen Stahltanks statt. Für Sekt, der nach diesem Verfahren hergestellt wurde, empfiehlt sich ein zeitnaher Genuss nach dem Abfülldatum.

Bei der Flaschengärung im Transvasierverfahren wird zunächst wie bei der traditionellen Methode in der Flasche vergoren, die Enthefung erfolgt jedoch nicht mittels Rütteln und Degorgieren, sondern nach Entleeren der Flaschen unter Kohlensäuredruck durch eine Filtration. Der Sekt wird anschließend im Drucktank dosiert und auf neue Flaschen gefüllt. Das Transvasierverfahren kombiniert die Vorteile der traditionellen Flaschengärung mit einer Vereinfachung der Arbeitsschritte zur Enthefung.

Preis

Sekt findet man in sehr unterschiedlichen Qualitätsstufen und Preisklassen. Ein guter Sekt stammt aus Trauben bestimmter Anbaugebiete, Winzersekt kann sogar Champagnerqualität erreichen, wenn er ausschließlich von Trauben von ein und demselben Winzer stammt und durch Flaschengärung reift. Der Preis für Winzersekt ist dementsprechend höher.

Geschmack

Sekt ist meist hellgelb, besitzt eine lebendige Perlage und ein spritziges Aromaprofil: grüner Apfel, Birne, Zitrone und Baumblüten. Sekt, der mit der traditionellen Methode hergestellt wurde, weist komplexere und reifere Aromen von reifem, gelbem Apfel, Haselnüssen, Hefeteig und Toastbrot und eine feinere Perlage auf. Die durch die traditionelle Flaschengärung entstandene Kohlensäure ist meist milder und damit magenfreundlicher.

Sekt & Speisen

Trockener bis herber Sekt passt wunderbar zu salzigen, sauren und pikanten Gerichten. Aber Vorsicht: Die Perlage im Sekt verstärkt die Schärfe – etwa von Chili. Für ungetrübten Genuss lieber mäßig würzen. Ein milder, süßer Sekt passt ausgezeichnet zu Desserts.

Konsum

Seit 2002 erfreut sich der Sektkonsum einer durchschnittlich jährlichen Wachstumsrate von 3%. Deutschland führt im internationalen Vergleich die Weltspitze an, die steigende Nachfrage in Ländern wie Australien, Japan und Argentinien zeigen aber, dass auch andere Nationen auf den Geschmack gekommen sind.

Schaumweine: Champagner

Prosecco

Herkunft

Prosecco stammt aus den Regionen Venetien und Friaul-Julisch Venetien im Nordosten Italiens.

Rebsorten

Zur Herstellung wird größtenteils die weiße Rebsorte Glera verwendet, auch bekannt unter dem Namen Prosecco. Aber auch Pinot Grigio (Grauburgunder), Chardonnay und Verdiso kommen zum Einsatz.

Herstellung

Prosecco wird durch das Charmat-Verfahren hergestellt. Die erste alkoholische Gärung findet in Edelstahltanks bei kontrollierter Temperatur statt, um die floralen und fruchtigen Primäraromen der Rebsorte zu erhalten. Die zweite Gärung findet im Gegensatz zu Champagner und Cava nicht in der Flasche, sondern in geschlossenen Stahltanks statt, die dem Druck durch das entstehende CO2 im Wein standhalten. Der entstandene Schaumwein wird nach vollendeter zweiter Gärung gefiltert und unter Druck in Flaschen abgefüllt. Es empfiehlt sich, Prosecco in einem überschaubaren Zeitfenster nach der Abfüllung zu genießen, da er sich nicht zur Lagerung eignet.

Preis

Die Herstellung von Prosecco ist weitaus zeitsparender und preiswerter als die von Champagner und Cava, weshalb auch der Endpreis des Produkts weitaus günstiger ist. Generell ist Prosecco einer der erschwinglichsten Schaumweine auf dem Markt.

Geschmack

Prosecco wird mit weniger Druck hergestellt als Champagner und Cava, daher sind die Perlen im Glas oft größer und weniger beständig. Da Prosecco nicht auf den Feinhefen lagert, verfügt er auch nicht über die typischen Aromen der Autolyse. Für Liebhaber von frischen und blumigen Schaumweinen mit fruchtigen Noten von Apfel, Birne, Zitrone und Melone und blumigen Aromen ist Prosecco die richtige Wahl.

Prosecco & Speisen

Prosecco passt toll zu asiatischen Speisen wie Sushi und Pad Thai. Er schmeckt aber auch hervorragend zu Bresaola, italienischem Käse und gefüllten Champignons. Für Liebhaber des klassischen Aperol Spritz ist Prosecco die unverzichtbar bessere Hälfte im Cocktail.

Konsum

Heutzutage ist Prosecco der meistverkaufte Schaumwein der Welt. 36% der gesamten Proseccoproduktion wird in Großbritannien konsumiert, was umgerechnet ungefähr 131 Millionen Flaschen pro Jahr entspricht.

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Originalartikel in Englisch Prosecco, Cava and Champagne: What’s the difference? von Chelsea Cummings, übersetzt von Miriam Reis.

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