Das kleine Eiswein-Einmaleins

Von Daniel Tangerner

Was genau ist Eiswein? Was ist die richtige Trinktemperatur und wie lange ist so eine Flasche lagerfähig? Die Saison für den beliebten Dessertwein ist eröffnet. Der von den Winzern ersehnte Frost von -7ºC wird hoffentlich in den nächsten Tagen erreicht, um die Trauben des Eisweines ernten zu können.

Wir erklären Ihnen alles, was Sie über diesen besonderen Wein wissen müssen. So stehen Sie nicht nur vor Ihren Gästen gut da, sondern genießen ein paar Gläschen von diesem etwas dickflüssigem und natursüßem Wein noch mehr.

Eisweinlese

Der Zeitpunkt der Weinlese ist ausschlaggebend, um diesen Qualitätswein herzustellen. Die Beeren müssen in gefrorenem Zustand bei mindestens -7º C geernte und anschließend sofort gepresst werden. Ab einer Temperatur von -7º C gefriert und kristallisiert sich das Wasser in den Beeren. Zurück bleibt der natürlich enthaltene Zucker, der das nicht kristallisierte Wasser samt Fruchtsäure bindet. Dadurch erhält der Wein seinen süßen Geschmack und seine dichte Textur. Besonders beliebt in Österreich und Deutschland findet der Eiswein ebenso Anklang in Kanada, den USA und Neuseeland als Ice Wine.

Eiswein (selbst) herstellen

So gerne viele von Ihnen Eiswein selbst herstellen möchten, haben wir hier leider schlechte Nachrichten. Das Prädikat ‚Eiswein‘ wird an der Art der Herstellung gemessen und nicht wie andere Prädikatsweine am Most-Gewicht. Und dafür brauchen Sie ein eigenes Weingut. Leider lassen sich Eisweine nicht wie Liköre selbst herstellen.

Sind die Beeren also nach dem Frost einmal geerntet, spielt Zeit eine wichtige Rolle. Das Lesegut muss möglichst rasch in den Weinkeller und in die Mostpresse. Da die Lese in der Nacht stattfindet, bezeichnen Winzer den Most der gefrorenen Trauben oft auch als Nachtgold.

Eine Besonderheit bei diesem Wein ist sein Jahrgang. Manchmal passiert es, dass der Frost erst im Folgejahr kommt. Der daraus gewonnene Dessertwein zeigt dann auf dem Etikett trotzdem das vorhergehende Jahr. Beispielsweise fand die Eisweinlese für 2015 erst im Januar 2016 statt. Aber die daraus entstehenden Produkte werden unter dem Jahrgang 2015 verkauft.

Eiswein kann bei einer Temperatur von -7 Grad geernetet werden.

Haltbarkeit

Durch den hohen Zuckergehalt haben Eisweine eine deutlich längere Haltbarkeit als gewöhnliche Weine. Die Meinungen darüber scheiden sich allerdings: Einige Experten sagen, original verschlossen halten Qualitätsweine bis zu 3 Jahren. Andere wiederum behaupten, bei kühler Lagerung könne man Eiswein noch in 30 Jahren trinken. Und wahrscheinlich haben beide recht. Denn es spielt nicht nur eine saubere Verarbeitung eine Rolle, sondern auch der Korken.

Kunstkorken verkürzen die Haltbarkeit stark, da der Wein nicht atmen kann, wodurch er sauer wird. Hat der Eiswein allerdings einen qualitativ hochwertigen Korkverschluss und kommt von einem gut arbeitenden Weingut, können Sie die Flasche in 30 Jahren noch genießen.

Bedenken Sie dabei allerdings, dass dieser Wein nach einer gewissen Zeit sanfter wird und Süße abbaut. Das Produkt, das heute intensiv und süß schmeckt, ist in 30 Jahren eventuell sehr sanft und trockener, was keineswegs schlecht sein muss. Nur eben anders.

Haben Sie die Flasche bereits geöffnet, sollten Sie diesen Wein innerhalb einer Woche trinken und bis dahin im Kühlschrank aufbewahren.

Trinktemperatur und Gläser

Nicht zu kalt und nicht zu warm. Am besten genießen Sie Eiswein zwischen 10 und 12ºC. Ist der Tropfen kälter als 10ºC, können sich die herrlichen Aromen nicht richtig entfalten und das wäre schließlich schade um den etwas teureren Dessertwein.

Da man von diesem Produkt für gewöhnlich weniger trinkt, eignen sich Gläser mit kleinen Kelchen. Greifen Sie am besten entweder zu Weißwein- oder Sektgläsern. Da sich der Wein im Glas immer noch ein bisschen erwärmt, denken Sie daran, das Glas auch wirklich am Hals zu fassen und nicht am Kelch selbst.

Das richtige Essen zum Eiswein

Zwar wird Eiswein auch gerne und oft als Dessertwein präsentiert, allerdings kann guter Eiswein viel mehr als das. Neben Fruchteis, Sorbet und Obstkuchen bieten sich auch intensive Käsesorten wie Gorgonzola, Blauschimmelkäse oder Stiton hervorragend an. Interessant ist auch die Kombination mit süß-sauren Snacks wie etwa Datteln im Speckmantel, Mango-Salate oder Schinken.

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