Der passende Gin zu Ihrem Tonic

Von Jordi Luque
Der passende Gin zu Ihrem Tonic

Der passende Gin zu Ihrem Tonic

Gin ist so etwas wie eine unberührte Leinwand. Ein einfaches Getreidedestillat, das mit Wacholderbeeren versetzt wird, könnte man als Gin bezeichnen. Jedoch entscheidet der Grad des Restzuckers oder die aromatische Ausprägung darüber, in welche der sieben Gin-Familien die Spirituose eingeteilt wird.

Die sieben Arten von Gin

Der Genever ist ein in den Niederlanden oder Belgien hergestellter Wacholderschnaps und der Vorläufer des modernen Gins. Dieses traditionelle Destillat wird in Junge Genever und Alte Genever unterteilt und unterscheiden sich vor allem durch ihren Zuckergehalt, der zwischen 10% und 20% liegt. Sie sind süß und können eigentlich nicht wirklich als Gin bezeichnet werden, da sie aus einem Basisdestillat, dem sogenannten „Malzwein“ hergestellt werden. Dieser wird aus gemälzter Gerste, Roggen und Mais gewonnen.

Old Tom Gin wird aus einem Getreidedestillat hergestellt, ähnlich wie Wodka. Was die Süße angeht ist er dem Genever ähnlich, stammt aber aus London ebenso wie der London Dry, der im Gegensatz dazu extrem trocken ist und ein ausgeprägtes Wacholderaroma aufweist.

Plymouth Gin ist eine Art Zwischending: Etwas süß, aber nicht zu süß. Der große Unterschied besteht im ausgewogenen Aroma und Geschmack. Weder die Wacholdernoten noch die bitteren Aromen des London Dry Gin sind vorherrschend.

Der American Dry Gin ist dem London Dry ähnlich, er reift jedoch für eine sehr kurze Zeit in Bourbon-Fässern. Gins, die über einen längeren Zeitraum im Holzfass reifen, sind echte Raritäten (leider, denn sie sind meist sehr gut) und haben eine ausgeprägte Bernsteinfarbe.

In den letzten Jahrzehnten sind auch Gins auf den Markt gekommen, die nicht in die oben genannten Klassifizierungen passen und in einigen Ländern als „Premium“ bezeichnet werden. Es handelt sich im Grunde genommen um den Stil London Dry, der mit verschiedenen Botanicals* aromatisiert wird. Die Marke, die behauptet, den Rekord an Pflanzenauszügen zu enthalten, setzt 47 verschiedene Botanicals zur Herstellung ihres Gins ein.

* Botanicals sind Pflanzengruppen, die im Gin vorkommen: Kräuter, Blätter, Samen, Hülsenfrüchte, Wurzeln, Rinden, Beeren und Früchte.

Von der Theorie zur Praxis

Lassen Sie uns nun zum praktischen Teil übergehen. Wir haben vier Gin-Empfehlungen für Sie, die den Ton für Ihren Gin Tonic vorgeben. Doch bevor Sie einfach so drauf los mixen, sollten Sie die folgenden Regeln beachten:

  1. Verwenden Sie ein hohes, schmales Glas (Ballongläser sind unpraktisch und kontraproduktiv).
  2. Füllen Sie das Glas mit Eiswürfeln (zwei oder drei, je nach Größe und Form, sind normalerweise ausreichend).
  3. Verwenden Sie ein Verhältnis von einem Teil Gin zu zweieinhalb Teilen Tonic, genauer gesagt: 50 ml Gin zu 125 ml Tonic.
  4. Die einzige erlaubte Garnierung ist eine halbe Scheibe Limette oder Zitrone oder ein Stück frische Zitrusschale.

Ganz klassisch: The Botanist Gin & Tonic

The Botanist ist ein schottischer Gin, der mit Botanicals aus seinem Heimatland aromatisiert wird. Kann man ihn also als London Dry bezeichnen? Ja, weil er sehr trocken ist und die Wacholdernoten dominieren. Manel Tirvió, Meister der Cocktailszene Barcelonas und Barman der legendären Bar Tirsa, bereitete seinen „Englischen Gin Tonic“ mit einem London Dry zu, weshalb auch ich für den klassischen, mustergültigen Gin Tonic einen London Dry empfehle.

Grüner wirds nicht: Hendrick’s Gin & Tonic

Wussten Sie, dass die erfrischenden Sommerfrüchte Honig- oder Wassermelone mit der ebenfalls erfrischenden Gurke verwandt sind? Hendrick’s verwendet das grüne und saftige Gemüse für seinen Botanicals-Aufguss und erreicht damit ein aromatisches Profil, das perfekt für heiße Tage (oder Nächte) geeignet ist

Ist der nicht süß? Hernö Old Tom Gin & Tonic

Manche mögen den bitteren, trockenen Geschmack von Gin und Tonic nicht so gerne und es ist üblich, dass Bitterkeit im Drink dem Tonic zugeschrieben wird. Meistens kommen diese Eigenschaften jedoch vom Gin. Probieren Sie einfach mal einen Gin Tonic mit Old Tom Gin, der eine höhere Zuckerkonzentration aufweist.

Big in Japan: Roku Gin & Tonic

Die Japaner sind dafür bekannt, bei der Herstellung von Destillaten Maßstäbe zu setzen. Japanische Whiskys sind das bekannteste Beispiel dafür, aber auch die Gins aus dem Land der aufgehenden Sonne sind da keine Ausnahme. Die Noten von Kirschblüte, Sake, Yuzu-Frucht und Zitrus machen diese Gins zum idealen Abschluss eines Sushi-Dinners oder um sich Akira Kurosawas Gesamtwerk anzusehen (in Kinoabenden wären das etwa fünf Jahrzehnte).

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Der Artikel wurde von Miriam Reis übersetzt und im Original von Jordi Luque geschrieben: Una ginebra para cada Gin Tonic

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