Geboren im Paradies: Kanarische Weine

Von Miriam Reis
Kanarische Weine: Weinberg auf La Palma

Kanarische Weine: Weinberg auf La Palma

Makaronesien, die glücklichen Inseln

Die Kanaren reihen sich in eine Gruppe von Inseln vulkanischen Ursprungs im östlichen Zentralatlantik ein. Diese biogeografische Region hört auf den Namen Makaronesien, nach griechisch mákar für selig/glücklich und nḗsos für Insel. 

La Graciosa ist die nördlichste der acht Inseln des kanarischen Archipels und befindet sich etwa 100 Kilometer von der Westküste Afrikas entfernt. Die Inseln erstrecken sich in einem Halbbogen gen Westen, weshalb La Palma und El Hierro mit rund 450 Kilometer am weitesten vom afrikanischen Kontinent entfernt sind. 

Atemberaubende Vulkanlandschaften, uralte Wälder, paradiesische Strände und eine lebendige Unterwasserwelt tragen zur Vielfältigkeit der Natur und dem Panorama des Archipels bei. Die Kanarischen Inseln besitzen zweifelsohne eines der wertvollsten Ökosysteme der Welt.

Weinbau auf den Kanaren

Die Weinrebe Vitis vinifera hat auf den Kanaren in den letzten 500 Jahren eine stetige Weiterentwicklung durchlebt. Die aus zahlreichen natürlichen Mutationen entstandenen, einzigartigen Rebsorten machen aus dem Archipel eines der weltweit wichtigsten Zentren der Biodiversität im Weinberg.

Einzigartig ist der Weinbau auf den Kanaren auch deshalb, weil die Weinstöcke niemals von der Reblaus (Daktulosphaira vitifoliae) befallen wurden. Die Blattlaus kam Mitte des 19. Jahrhunderts von Nordamerika nach London und landete schließlich in Frankreich, von wo aus sie sich ausbreitete und 80 bis 90% der Rebstöcke Europas anfraß und zerstörte.

Die Kanarischen Inseln beherbergen somit Jahrhunderte alte Weinberge, die für Önologen und Wissenschaftler von unschätzbarem immateriellen Wert sind. Oft wird noch nach traditionellen Methoden gearbeitet und viele Weingüter sind über mehrere Generationen hinweg in Familienbesitz.

Weinbau auf den Kanaren: La Geria, Lanzarote
Weinbau auf den Kanaren: La Geria, Lanzarote

Herkunftsbezeichnungen

Insgesamt werden auf den Kanarischen Inseln auf 6.757 Hektar Fläche Wein angebaut. Teneriffa besitzt mit 47% den größten Anteil der mit Weinreben kultivierten Flächen, gefolgt von Lanzarote (30%), La Palma (14%), Gran Canaria (3%), El Hierro (3%), La Gomera (2%) und Fuerteventura (1%).

Lanzarote, La Palma, Gran Canaria, El Hierro und La Gomera besitzen eine generelle und inselumfassende Herkunftsbezeichnung „D.O.“ (Denominación de Origen).

Auf Teneriffa wird von der nördlichsten Spitze bis zum südlichsten Zipfel Wein kultiviert. So unterschiedlich in Klima und Topografie wie die verschiedenen Zonen der Insel, so mannigfaltig auch ihre Weine. Eine generelle Herkunftsbezeichnung für die Weine Teneriffas wäre deshalb zu allgemein, weshalb sie auf verschiedene Inselabschnitte aufgeteilt ist: D.O. Tacoronte – Acentejo, D.O. Valle de La Orotava, D.O. Ycoden – Daute – Isora, D.O. Abona und D.O. Valle de Güímar.

Rebsorten

Über das gesamte kanarische Archipel verteilt werden sowohl Weißwein– als auch Rotweintrauben angebaut. Zu den weißen Rebsorten gehören beispielsweise Listán Blanco (auch bekannt unter dem Namen Palomino Blanco), Malvasía volcánica und Vijariego blanco, zu den roten Listán Negro, Vijariego negro und Negramoll.

Obwohl einige dieser Rebsorten auch auf der iberischen Halbinsel angebaut werden, existieren auf den Kanaren über 20 heimische Rebsorten, die sonst auf keinem Teil der Erde zu finden sind. Ein Beispiel dafür ist die Malvasía volcánica, die Vorzeigerebe der Insel Lanzarote.

Kanarische Weine und typisch kanarische Küche
Geboren im Paradies: Kanarische Weine
Kanarische Weine und typisch kanarische Küche

Canarias im Glas

Vielfältig sind nicht nur die Landschaften des kanarischen Archipels. Die große Bandbreite an Rot-, Weiß-, Rosé-, Schaum- und Süßweinen ist von Insel zu Insel unterschiedlich und bietet dem Genießer und Entdecker ein attraktives und vielschichtiges aromatisches Spektrum. 

Rotweine: charakterstark und vulkanisch

Die Aromen von jungen Rotweinen erinnern an Heidelbeeren, Brombeeren und Johannisbeeren, die am Gaumen von einer lebhaften Säure begleitet werden. Im Eichenfass ausgebaute Rotweine weisen reifere Geschmacksnoten auf, die an Kompott aus reifen Kirschen und Pflaumen und an zarte Kuchengewürze erinnern. Außergwöhnlich sind die rauchigen und erdigen Aromen, die an den vulkanischen Ursprung des Weins erinnern. Rotweine von den Inseln passen hervorragend zu Grillfleisch, reifem Käse oder mediterraner Reispfanne.

Weißweine: aromatisch und elegant

Die kanarischen Weißweine sind außerordentlich aromatisch, elegant und ausgeglichen. Am Gaumen zeigen sie eine leichte Salinität. Die Bandbreite der Aromen reicht von Kamille, sonnengetrocknetem Heu, tropischen Früchten (Ananas, Mango), Steinfrucht (Pfirsich, Aprikose), Zitrus (Mandarine, Limette) und weißen Baumblüten (Orangenblüte, Akazie). Weißweine, die eine gewisse Zeit auf den Feinhefen geruht haben, weisen zudem zarte Noten von Hefeteig, Brioche und frisch gebackenem Brot auf. Sie sind der perfekte Begleiter für fangfrischen Fisch vom Grill, Schrumpelkartoffeln und Mojo-Soße.

Roséweine: frisch und fruchtig

Die farbliche Bandbreite der Roséweine von den Kanarischen Inseln reicht von Blassrosa bis leuchtend Himbeerfarben. Sie sind elegant am Gaumen mit einer ausgeprägten und gleichzeitig gut integrierten Säure, und ihre Geschmacksnoten erinnern an saftige Waldfrüchte (Brombeere, Himbeere, Heidelbeere), wild wachsende Erdbeeren, Cassis und Gewürze. Diese Weine sind besonders kulinarisch, da sie ebenso gut zu leichten Sommersalaten und Fisch wie zu gegrilltem Fleisch und Paella passen.

Schaumweine: feinste Perlen

Kanarischer Schaumwein ist ein Produkt der Extraklasse und sorgt mit äußerst feiner und perfekt integrierter Perlage für prickelnden Genuss. In der Nase sind Aromen von Apfel, Birne, Zitrone, Erdbeere oder Himbeere zu erkennen, die mit Jasmin, Mandelblüte und Minze eine verführerische Komposition eingehen. Für die aromatische Krönung sorgen Geschmacksnoten von Hefeteig, Brioche, ofenfrischem Gebäck, Mandeln und Haselnüssen, die der Schaumwein seiner Reifung auf den Feinhefen verdankt. Diese Schaumweine passen hervorragend zum Aperitif, Meeresfrüchten oder knusprig-salzigen Kartoffelchips.

Dessertweine: verführerische Süße

Likörweine aus weißen Trauben begeistern mit komplexen und exotischen Aromen, deren Bandbreite von Orangenmarmelade, Quittengelée, Röstnoten bis hin zu kandierten Zitrusschalen reicht. Die roten Likörweine hingegen schmecken herrlich fruchtig nach Rosinen, Pflaumenmarmelade und Kirschkompott. Ganz besonderen Genuss bieten Dessertweine aus überreifen Trauben der Rebsorte Malvasía volcánica. Mit ihrer Bersteinfarbe und ihren komplexen Aromen von Honig, getrockneten Aprikosen und kandierter Orange, bieten sie ein unvergleichliches, fast magisches Geschmackserlebnis mit einer perfekten Balance aus Süße und Säure. Probieren Sie die kanarischen Likörweine zu lokalen Käsesorten wie Majorero aus Fuerteventura oder Flor de Guía aus Gran Canaria.

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