In 5 Schritten zum Rum-Experten

Von Anja Krimsky
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Beim Gedanken an Rum kommen einem von Palmen gesäumte weiße Sandstrände, kristallklares Meerwasser und farbenfrohe Korallenriffe – aber auch Piraten – in den Sinn. Auch wenn Rum immer noch mit Captain Jack Sparrow und Co. assoziiert wird, ist er bereits seit Jahren in der obersten Liga der Edelspirituosen angekommen. Dieser Artikel richtet sich an Rum-Liebhaber oder jene, die es noch werden wollen. In 5 Schritten werden Sie zum Rum-Experten und können Familie und Freunde mit interessanten Fakten und lustigen Anekdoten begeistern. Los geht’s!

1. Woher kommt Rum?

Die genussvolle Geschichte des Rums lässt sich bis ins Jahr 1650 zurückverfolgen. Manchen Quellen zufolge liegt die Wiege der Spirituose in Barbados. Fest steht, dass in der Karibik und in süd- und mittelamerikanischen Ländern, die damals unter der europäischen Kolonialherrschaft (Frankreichs, Großbritanniens und Spaniens) standen, ab dem frühen 17. Jahrhundert mit dem Anbau von Zuckerrohr begonnen wurde. 

Die europäischen Entdecker perfektionierten das Destillationsverfahren, wobei die harte Arbeit von Sklaven und der indigenen Bevölkerung durchgeführt wurde. Ganz zufällig entpuppte sich Melasse, das Nebenprodukt der Zuckergewinnung, zum Rohstoff bei der Destillation. In Folge entwickelte sich das Getränk schnell zu einem wichtigen Bestechungsmittel bei politischen Verhandlungen in den Kolonien. Heutzutage können sich Premium-Rum-Marken wie Zacapa, Don Papa oder Diplomatico mit den weltbesten Spirituosen messen.

2. Wie wird Rum gemacht?

Rohstoff

Zuckerrohr
Zuckerrohrernte

Rum enthält einen Mindestalkoholgehalt von 37,5% vol. und wird in französischen Überseegebieten aus vergorenem Zuckerrohrsaft (geschützte Herkunftsbezeichnung: Rhum agricole), meistens jedoch aus der oben erwähnten Melasse (Rhum traditionnel) gewonnen. In manchen Ländern wird auch frisch gepresster Zuckerrohrsaft eine Art virgin sugar cane honey verwendet, wie etwa bei Ron Zacapa aus Guatemala.

Gärung (auch Fermentation, Fermentierung)

Ähnlich wie auch beim Whisky, der jedoch aus Getreide destilliert wird, produziert man Rum in drei Schritten. Den Anfang macht die Gärung der Maische*, die durch die Beigabe von Hefen eingeleitet wird. Die Zugabe von Blättern, Rinden oder Ananassaft während des Gärprozesses verleiht dem Rum eine Vielfalt an exotischen Geschmacksnoten.

*Maische wird durch Zerkleinern und Auspressen von Zuckerrohr gewonnen.

Destillation

Der beim Fermentieren in Alkohol umgewandelte Zucker wird schließlich destilliert, wobei der Alkoholgehalt auf 70 bis 90% vol. erhöht wird. Hersteller haben bei diesem Produktionsschritt zwei Brennapparate zur Wahl: Pot Still und Column Still

Column-Still
Column Still Brennapparat
Pot Still Brennkessel
Pot Still Brennkessel

Bei Pot Still handelt es sich um eine kupferne Brennblase, die eine diskontinuierliche Destillation mit Handarbeit erfordert. Das bedeutet, dass nach dem ersten Brennvorgang die Blase erneut mit Rohstoffen gefüllt und der ganze Prozess wiederholt wird. Diese traditionelle und aufwendige Methode bringt vergleichsweise schwere und aromatische Rums hervor, die dennoch ein weiches Mundgefühl aufweisen. Die moderne und effiziente Variante ist das Brennen mit Colum Stills. Dabei kommt eine Brennkolonne mit mehreren Brennsäulen für die kontinuierliche Destillation, sprich ohne Unterbrechung, zum Einsatz. Die weichen und eher milderen Destillate werden manchmal mit Pot Still-Rum vermischt.

Reifung

Reifung-Rum
Im Eichenfass gereifter Rum

Je länger Rum reift, desto vielschichtiger wird sein Geschmack und desto unverwechselbarer seine Aromen. Von Strohgelb, Gold und Bernstein über satte Mahagoni-, Kupfer- und Brauntöne, all diese Farbfacetten sind der Handwerkskunst der Fassreifung zu verdanken. In der Regel werden ehemalige spanische Sherryfässer oder auch Bourbon-, Cognac-, Madeira-, Port– und Weinfässer verwendet.

Die Größe des Fasses, der Standort, das Klima und die Häufigkeit der Befüllung des Fasses spielen ebenfalls eine wichtige Rolle für den Reifungsprozess.

3. Welche Rum-Stile gibt es?

Es gibt verschiedene Methoden, Rum zu unterscheiden. Oft wird er in die Kategorien English Style, French Style (Rhum agricole) oder Spanish Style unterteilt, was auf die drei Kolonialmächte hindeutet. Um die jeweiligen charakteristischen Merkmale besser verständlich zu machen, finden Sie hier einige der wichtigsten Rum-Stile.

Weißer Rum vs. gereifter (brauner) Rum

Da das Färben mit Zuckerkulör oder Karamell wie auch bei Whisky erlaubt ist, kann der optische Eindruck nicht immer als Qualitätsmerkmal für Rum herangezogen werden. Dennoch wird oft zwischen weißem und braunem Rum unterschieden. Ersterer ist ein fixer Bestandteil unzähliger Cocktail-Kreationen und wird in der Regel nur kurz in Edelstahltanks und nicht in Eichenholzfässern gereift. Erfolgt jedoch eine Fassreifung, wird der weiße Rum geklärt, um seine charakteristische klare Farbe zu erhalten. Qualitativ hochwertiger brauner Rum verdankt seine Farbe oft der Fassreifung, kann aber auch, wie eingangs erwähnt, gefärbt werden. Diplomatico Planas Rum aus Venezuela ist ein weicher und komplexer weißer Rum mit tropisch-fruchtigen Noten und einem cremigen Geschmack, der neat oder in Cocktails ein wahrer Genuss ist.

Blended Rum

Meistens werden verschiedene Rums zu einem Blend vermischt. Was nicht besonders edel klingt, ist jedoch eine hohe Kunst. Wie bei einer Symphonie, werden die Blends von Maestros-Roneros (Master-Blendern) genauestens zu einer köstlichen Komposition abgestimmt.

Solera Rum

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Besonders raffiniert ist der sogenannte Solera-Blend, der sich aus kurz, mittellang und lang gereiften Destillaten zusammensetzt. Beim Solera-Rum bezieht sich die Altersangabe auf der Flasche auf das älteste Destillat, obwohl es lediglich den geringsten Anteil hat. Ein exzellentes Beispiel dafür ist Zacapa Centenario 23

Mehr Information über spanischen Sherry und das Solera-System finden Sie in diesem Artikel.

Single Cask Rum

Besonders exquisit sind Einzelabfüllungen im Single Cask. Das sind Rums, die aus einem einzigen Fass stammen und in streng limitierter Anzahl abgefüllt werden – eine Limited Edition per Definition.

Rhum agricole

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Bei Rhum agricole handelt es sich um Destillate, die ausschließlich aus französischen Übersee-Départements, wie Martinique, Guadeloupe oder La Réunion stammen und aus Zuckerrohrsaft gebrannt werden. Ein exzellentes Beispiel ist der Rhum Vieux Agricole VSOP von Clément, der mindestens 4 Jahre lang in ehemaligen Bourbon-Fässern reift.

Overproof Rum

Diese Art von Rum muss einen Alkoholgehalt von mindestens 57,15 % aufweisen, was für den puren Genuss zu stark ist und weshalb er überwiegend für Cocktails Verwendung findet. Der Begriff „Proof“ (auf Englisch Beweis) ist darauf zurückzuführen, dass Seefahrer ihre tägliche Rum-Ration mit Schießpulver tränkten, da Rum nur bei ausreichend Stärke brannte. War er „over proof“, sprich über alle Zweifel erhaben, hatte er die Probe bestanden.

Flavored & Spiced Rum

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Für diesen Stil wird aus Melasse gebrannter Rum mit Gewürzen wie Vanille, Kardamom, Muskatnuss, Ingwer und Zimt oder Aromen und Extrakten wie Kokosnuss, Banane oder Himbeere versetzt. Enthalten Spiced Rums weniger als 37,5 % Alkohol, müssen sie als Spirituose auf Rum-Basis deklariert werden. Ein besonders facettenreicher Blend aus süßen Orangenschalen, würzigem Pfeffer und exotischer Vanille ist der karibische Remedy Spiced Rum.

4. Wie genießt man Rum am besten?

Rum-richtig-genießen
Genuss braucht Zeit!

Um alle Geschmacksnuancen besser zur Geltung zu bringen, ist eine Trinktemperatur von etwa 15° bis 20° C zu empfehlen. Exquisite Rums sollten neat in Nosing-Gläsern in Tulpenform gereicht werden. Stehen die Aromen nicht im Vordergrund, kann Rum auch auf Eis getrunken werden.

Genuss braucht Zeit. Entspannen Sie sich bei einem edlen Glas Rum oder einem köstlichen Cocktail allein oder in guter Gesellschaft. Cheers!

5. Fun Facts über Rum

  • Rum war die erste Spirituose, die als Genussmittel und nicht zu medizinischen Zwecken konsumiert wurde. 
  • Anfangs war Rum unter dem Namen „Kill-Devil“ bekannt, ein unglaublich starkes höllisches Gebräu, das in den meisten Fällen zu Alkoholvergiftung führte. 
  • Um 1700 erhielt jeder Seemann der British Royal Navy einen Tot (Maßeinheit, die circa 71 ml entspricht) Rum als Mittagsration
  • Die Legende besagt, dass der Offizier Horatio Nelson, dem der Sieg gegen Napoleons Flotte zu verdanken ist, nach seinem Tod in einem Rumfass konserviert wurde, welches schließlich von der Besatzung des Schiffs geleert wurde. Fakt ist, dass er in einem Brandy-Fass nach England überführt worden war. Der Mythos führte jedoch zur makabren Bezeichnung „Nelson’s Blood“ für Rum.  
  • Im 19. Jahrhundert wurde angenommen, dass Rum den Haaren besondere Festigkeit verleiht, weshalb er als Shampoo Verwendung fand.

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