Tempranillo, die feine spanische Rebsorte

Von Miriam Reis
Tempranillo-Trauben

Tempranillo-Trauben

Der Tempranillo zählt neben Pinot Noir, Merlot und Cabernet Sauvignon zu den großen, edlen Rebsorten der Welt und ist die wichtigste rote Rebsorte Spaniens. Gleichzeitig ist er die charakteristische Rotweintraube der spanischen Region La Rioja, wo der Tempranillo heutzutage als autochthon oder heimisch gilt. 

Aber auch in den Weinbaugebieten Ribera del Duero und Toro ist der Tempranillo des Winzers erste Wahl. Warum das so ist und an welchem Punkt der Gott Bacchus mit ins Spiel kommt, lesen Sie im nachfolgenden Artikel.

Ein wenig Geschichte

Tempranillo ist eine sehr alte Rebsorte. Die früheste offizielle Erwähnung stammt aus dem Jahr 1807 und ist somit „erst“ 215 Jahre alt. Die allgemeine Theorie besagt jedoch, dass der Tempranillo vor über 3.000 Jahren von den Phöniziern auf die Iberischen Halbinsel gebracht wurde. Hinweise, die diese Theorie untermauern, finden sich in verstreuten Anpflanzungen der Tempranillo-Traube in der Toskana und der Basilikata in Italien.

Der endgültige Beweis dafür, dass Wein im alten Spanien eine fundamentale Rolle spielte, wurde 1972 erbracht. Archäologen legten bei Ausgrabungsarbeiten in Baños de Valdearados in der Provinz Burgos ein Mosaik des Weingottes Bacchus frei. Es wird spekuliert, dass der Wein, den sich der gute Bacchus auf dem Mosaik zu Gemüte führt, ein Tempranillo gewesen sein könnte.

Tempranillo steht für früh

Die Beeren der Tempranillo-Traube sind rund, mittelgroß, haben eine dicke, blauschwarze Schale und ein blassgelbes, saftiges Fruchtfleisch. Er gilt als eine fruchtbare und ertragreiche Sorte mit kurzem Reifezyklus, die spät austreibt und früh ausreift. Daher sein Name Tempranillo, vom spanischen Wort temprano für „früh“.

Im Weinberg kommt die Rebe mit zu hohen Temperaturen und Wassermangel nicht gut zurecht. Sie braucht kühle Nächte, um den begrenzten Säuregehalt in den Beeren zu bewahren, und warme Tage, um Zucker in ihrem Innern anzureichern und die Aromen zu konzentrieren. Deshalb gedeiht der Tempranillo optimal in Nordzentralspanien, das vom kontinentalen Klima geprägt ist.

Die drei bekanntesten Anbaugebiete sind Rioja, Ribera del Duero und Toro. Die  renommierte Weinbauregion Rioja im Nordosten ist für ihre lagerfähigen Tempranillos berühmt, während Ribera del Duero und Toro im Nordwesten für intensivere Rotweine mit viel Tannin stehen. Lassen Sie uns diese drei Appellationen gemeinsam ein wenig genauer unter die Lupe nehmen.

Tempranillo aus Rioja

Die Weinbauregion Rioja unterteilt sich in drei Subregionen. Nehmen wir die Stadt Logroño als Ausgangspunkt: Westlich von ihr und nördlich des Ebro-Flusses liegt die Rioja Alavesa, südlich des Ebro-Flusses die Rioja Alta.

Die Weine dieser beiden Subregionen genießen eine ausgezeichnete Reputation und gelten als leicht zu genießen, elegant und ausgesprochen raffiniert.

Dies ist vor allem auf das vom Atlantik gemäßigte Klima und die vorherrschenden Kalk-Tonböden zurückzuführen.

Östlich der Stadt Logroño und zum größten Teil südlich des Ebros liegt die Rioja Baja, deren Klima weniger maritim beeinflusst ist: Die Sommer sind heißer, die Winter extremer. Die vorherrschenden Tonböden enthalten mehr Eisen, was unter dem Strich gesehen zu schwereren und gehaltvolleren Rotweinen führt.

Traditionell wird in der gesamten Weinbauregion Rioja im Barrique aus amerikanischer Eiche ausgebaut, was den Weinen eine leichte Vanillenote verleiht. Gegenwärtig greifen viele Winzer aber auch auf französische oder europäische Eiche zurück, da diese dem Wein subtilere und leicht würzige Noten schenkt. 

Junge Weine aus Rioja haben eine geringen Tanningehalt und lebendige Aromen von saftiger roter Frucht (Kirsche, Sauerkirsche, Erdbeere), gebackener Tomate und Pastrami.

Reife Weine aus Rioja schmecken verführerisch nach Schwarzkirsche, Dill, Leder, braunem Zucker, Zeder und getrockneter Feige.

Tempranillo aus Ribera del Duero

Die starken Kontraste des kontinentalen Klimas in Verbindung mit den etwa 850 m Höhenmetern machen die Ribera del Duero zu einem optimalen Gebiet für den Weinbau. Die Winter sind lang und streng und die Sommer von kurzer Dauer, was für eine kurzzyklische Sorte wie den Tempranillo ideal ist. Im Sommer sind die Tagestemperaturen sehr hoch, mit Höchstwerten von bis zu 40 ºC, was für eine tiefe Farbe und ausgeprägte Aromen sorgt. Nachts hingegen kann das Thermometer bis auf 20 ºC sinken, sodass sich die Pflanze ausruhen kann und die Frische der Früchte erhalten bleibt. 

Der Tempranillo wird in der Ribera del Duero tinta del país oder tinta fina genannt und nimmt etwa 85% der gesamten Anbaufläche ein. Der Ausbau ist im Barrique aus neuer französischer Eiche üblich, da sie dem Wein würzige und komplexe Aromen von Pfeffer, Zedernholz, Nelken, Kokosnuss, Kräutern, balsamischen und süßen Gewürzen verleihen kann.

Tempranillo-Weine aus Ribera del Duero haben einen ausgeprägten Tanningehalt und eine tiefe Farbe. Die Aromen erinnern an reife, dunkle Frucht (Brombeere, Schwarzkirsche), Feige und Pfeifentabak.

Tempranillo aus Toro

Das Anbaugebiet im Nordwesten Spaniens ist relativ klein im Vergleich zu den beiden Vorhergehenden, und dennoch hat es Toro in sich.

In dieser Region gibt es mehr als 2.500 Sonnenstunden im Jahr aber kaum Niederschläge und vor allem in den Sommermonaten regnet es praktisch nicht. Von bis zu 40 ºC im Sommer fallen die Temperaturen im Winter nicht selten unter -10 ºC. Dennoch treten strenge Fröste in der Regel nur in den Monaten auf, in denen sie die Pflanze nicht beeinträchtigen. Die Böden sind größtenteils Schwemmlandböden mit vielen Kieselsteinen und Schotter an der Oberfläche und Lehm im Untergrund, was dazu beiträgt, das kostbare Wasser zurückzuhalten. Die extreme Trockenheit in den Sommermonaten macht diese Weine besonders gehaltvoll, während die Zusammensetzung der Böden für die markante Mineralität verantwortlich ist.

Tempranillo-Weine aus Toro haben einen ausgeprägten Alkoholgehalt, eine tiefe Farbe, kräftige Tannine und eine dezente Säure. Die Aromen erinnern an sehr reife oder gekochte dunkle Frucht (Brombeere, Schwarzkirsche, Pflaume), getrocknete Kräuter und Tonstaub.

Dazu schmeckt der Tempranillo

Egal, ob Wildeintopf, Lammkoteletts, Ofenhähnchen mit Knoblauch und Thymian, Serranoschinken, reifer Manchego- oder asturianischer Blauschimmelkäse: Viele der traditionellen kastilischen Gerichte schmecken am besten zu einem Glas Tempranillo. 

Aber auch wenn es mal schnell gehen muss, ist der Tempranillo die richtige Wahl. Seine Säure macht ihn zu einem idealen Begleiter für Gerichte wie Pasta, Pizza oder Döner Kebab.

Eine nützliche Faustregel besteht darin, sich die Reihenfolge der wichtigsten Herkunftsbezeichnungen Rioja, Ribera del Duero und Toro zu merken: von der geringsten bis zur höchsten Intensität.

Je geschmacksintensiver das Gericht und je kräftiger das Rezept, umso mehr sollte man einen Wein der Region Toro als Begleiter in Erwägung ziehen. Gerichte mit einer mittleren Intensität passen gut zu einem Wein aus Ribera del Duero und delikate Speisen schmecken am besten zu einem Glas Rioja.

***

Artikel, die Sie auch interessieren könnten

Einen Kommentar hinterlassen