Zum Weltfrauentag: Die spanische Winzerin Teresa Rodríguez im Interview

Von Raúl Pérez
Teresa Rodriguez

Pünktlich zum Weltfrauentag wollen wir Teresa Rodríguez interviewen, eine der erfahrensten und fachkundigsten Winzerinnen in Spanien. Seit 2007 leitet sie die spanische Weinmarke Tarsus und hat es geschafft, den dort produzierten Weine eine neue Facette zu geben. In der Stunde, die wir mit Teresa verbracht haben, haben wir eine Frau kennengelernt, die mit großer Leidenschaft über ihren Beruf spricht und eine sehr moderne Vision der Herausforderungen hat, denen sich der internationale Weinsektor stellen muss.

Fachtechniker für Weinbau und Önologie von der Schule für Rebe und Wein in Madrid. Master-Abschluss in Weinbau, Önologie und Weinmarketing von The International Social Science Council. Postgraduierte Universitätsspezialistin für Weinbau… es scheint, dass Sie eine klare Vorstellung davon hatten, was Sie aus Ihren Leben machen wollten. Woher kam Ihr Interesse für Wein?

Ich sage immer, dass der Wein mir alles gegeben hat. Er hat mich durch mein persönliches Leben und meinen beruflichen Werdegang begleitet. Obwohl ich aus Madrid komme, befindet sich mein Herz in La Mancha, wo meine Winzerfamilie herkommt. Ich wurde am 16. Oktober geboren, mitten in der Weinlese, also begleiten mich die Geräusche und Aromen der Weinlese schon mein ganzes Leben. Ich wollte Medizin studieren, aber es war mein Vater, der mich ermutigte, Önologie zu studieren. Während des Studiums der Önologie verliebte ich mich in den Wein und auch in einen Mann aus Valladolid, der mich nach Castilla y León brachte. Nach vielen Jahren sind wir beide immer noch hier, wir haben zwei Söhne, und einer von ihnen ist auch Önologe..

Vor dreißig Jahren begann ich an der Estación Enológica de Castilla y León zu arbeiten, der ich ewig dankbar sein werde, denn sie war es, die mir die Türen öffnete, um in diese wunderbare Welt einzusteigen.

Sie haben 10 Jahre lang in der Önologischen Station von Castilla y León gearbeitet…

Hier lernte ich alles, was ich über Wein weiß – besonders über die verschiedenen Rebsorten von Castilla y León. Wir hatten einen kleinen Versuchskeller, in dem ich gelernt habe, mit den verschiedenen Rebsorten zu spielen. Es war eine großartige Erfahrung auf professioneller und persönlicher Ebene. Ich habe noch immer tolle Freunde aus dieser Zeit.

… und im Jahr 2000 haben Sie angefangen, für Pernod Ricard auf dem Weingut Aura in Rueda zu arbeiten. Wie war diese Herausforderung?

Als Pernod Ricard sich in Rueda niederließ, kontaktierten sie mich und boten mir an, an einem Projekt mitzuarbeiten, in Rueda Qualitätsweine herzustellen. So habe ich bei Aura angefangen.

Am Anfang dachte ich, das es eine große Umstellung sei. Ich wurde von der ruhigen Arbeit in einem Labor zur Leitung eines neuen Projekts befördert. Aber es war eine spannende Abwechslung, ich tauschte den weißen Kittel gegen das Schlachtfeld. Ich musste lernen, das Weingut und das Team zu managen, und ich begann mit einer Rebsorte wie Verdejo zu arbeiten, in die ich schon immer verliebt war. Sie ist eine der wichtigen spanischen Rebsorten.

Wie alles im Leben, waren die Anfänge schwierig, stressig und intensiv. Aber es war eine große Herausforderung und sehr spannend.

Seit 2007 leiten Sie das Tarsus-Projekt… ein anderes Weingut, eine andere Region, andere Trauben, alles sehr unterschiedlich. Wie würden Sie Ihre Arbeit in Tarsus beschreiben?

Es war eine weitere große Herausforderung. Ich sage immer, dass man im Leben nicht konformistisch sein sollte, man sollte sich nicht an das gewöhnen, was man hat, man muss Horizonte öffnen, wenn es in der eigenen Macht steht, das zu tun. Sie boten mir an, in Tarsus, in der Weinregion Ribera del Duero, anzufangen. Ich sah es als ein Privileg: Ich würde mit zwei unserer spanischen „Königinnen“ arbeiten – den Rebsorten Verdejo und Tempranillo.

Erzählen Sie uns ein wenig über Ihren Alltag.

Nun, ich würde ihn als intensiv zusammenfassen. Tarsus ist ein kleines Weingut, wo wir eine halbe Million Kilo Trauben verarbeiten, aber wir haben die Unterstützung eines multinationalen Unternehmens wie Pernod Ricard, mit all den guten Dingen, die das mit sich bringt. So haben wir das Beste aus beiden Welten. Der Vorteil, in einem kleinen Weingut zu arbeiten, ist, dass man lernen muss, vielseitig zu sein, man ist gezwungen, viele verschiedene Dinge zu tun, und am Ende managt man den Prozess von Anfang bis Ende. Vom Feld in die Flasche. Das ist für mich ein Vorteil.

Teresa Rodríguez am Feld

Wie würden Sie Ihren Weinstil definieren? Was würden Sie hervorheben?

Ich würde die Tarsus-Weine als modern im Stil definieren, ohne jedoch die Identität ihrer Herkunft zu verlieren, denn die Traube muss immer der Protagonist sein. Ich denke, wir haben frische, intensive, sehr fruchtige Weine, die man jederzeit genießen kann. Tarsus-Weine sind ausdrucksstark und offen, sie erzählen und sprechen zu Ihnen von dem Moment an, in dem Sie den Korken entfernen. So würde ich sie beschreiben.

Mit der Globalisierung können wir heute Weine aus der ganzen Welt probieren. Wie sehen Sie den Weinsektor in Spanien im Vergleich zu anderen Ländern?

Spanischer Wein ist nach wie vor eine Referenz. Wir sind eines der drei Länder, die am meisten Wein produzieren, wir exportieren jeden vierten Liter, und ich denke, wir haben eine beeindruckende Qualität und Vielfalt. Es stimmt, dass wir lernen müssen, unser Produkt besser zu vermarkten. Wir müssen ein bisschen von Italien oder Frankreich lernen, die ein sehr gutes Image haben und sich sehr gut vermitteln und positionieren konnten. Wir befinden uns auf dem gleichen Weg.

Glauben Sie, dass spanische Weinliebhaber dazu neigen, eher traditionelle Weine zu bevorzugen, zum Nachteil von neuen Trends oder anderen Weinen aus anderen Ländern?

Beim Wein ist die Traube der Protagonist. Die Balance zwischen Frucht und Holz muss perfekt sein, damit der Wein großartig ist. Es ist nicht immer die Kraft und Übertreibung, die schön ist. Was auffallen muss, ist die Rebsorte. Und gerade jetzt sind zu viel Eiche oder übermäßig alkoholische, übermäßig reife Weine nicht gefragt. Sie haben natürlich immer noch ihr Publikum, aber wir müssen auf die modernen Trends achten.

Teresa Rodríguez

Wie ist es, in einer überwiegend männerdominierten Welt zu arbeiten? Auf welche Herausforderungen sind Sie gestoßen?

Als ich anfing, gab es noch nicht so viele Winzerinnen wie heute. Aber ich habe mich von meinen Kollegen immer respektiert und wertgeschätzt gefühlt. Es stimmt, dass man auf andere konditionierende Faktoren stößt, wie zum Beispiel, als ich anfing, auf die Felder zu gehen, um die Trauben zu pflücken, oder das Datum der Ernte festzulegen – dies war für die älteren Winzer zunächst ein Schock. Aber das waren gelegentliche Momente, denn ich habe mich in diesem Sinne immer sehr unterstützt gefühlt.

Ich denke, dass Frauen heutzutage mehr in den gesamten Prozess der Weinherstellung eingebunden sind. Obwohl die Welt des Weins schon immer eher männlich war, ist sie es heute nicht mehr so sehr. Wein versteht kein Geschlecht und so sollte es auch immer sein. Manchmal bauen wir zu viele Konditionierungen oder Vorurteile auf, und wir sollten diese Barrieren abbauen, aufgeschlossen sein und die Professionalität eines jeden von uns schätzen, unabhängig von unserem Geschlecht.

Es gibt immer mehr Winzerinnen und Frauen an der Spitze wichtiger Weinprojekte. Wie sehen Sie die neuen Frauengenerationen im Vergleich zu Ihren Anfängen? Glauben Sie, sie haben es leichter oder genauso schwer?

In bestimmten Aspekten haben sie es viel einfacher. Es ist schon ein langer Weg, und es ist jetzt nicht mehr so schockierend, dass eine Frau ein Weingut leitet, oder dass eine Frau die Bepflanzung des Weinbergs verwaltet.

Zum Glück arbeite ich in einem großen Unternehmen, in dem Frauen sehr geschätzt werden. Unser Führungsgremium ist mehrheitlich mit Frauen besetzt. Aber nicht jeder hat diese Möglichkeiten und manchmal ist es schwierig, diese wichtigeren Positionen zu erreichen. Wir müssen noch ein wenig kämpfen, aber wir sind auf dem Weg, und in der Branche sind Frauen zunehmend besser positioniert und werden mehr geschätzt.

Wie sehen Sie die Zukunft des Weins, wenn wir an den Klimawandel denken?

Es sind drei Dinge, die den Wein ausmachen: Terroir, Klima und menschliches Management. Je nachdem, wo man sich befindet, kann der Aufwand mehr oder weniger groß sein. Dinge, die vorher undenkbar schienen, sind jetzt nicht mehr so undenkbar, und jeder erfindet sich neu und passt sich an, um zu versuchen, das zu kompensieren, was der Klimawandel mit sich bringt: Frühere Ernten, höherer Alkoholgehalt, Verlust von Säure usw. Am Ende muss man sich anpassen.

Empfehlen Sie uns einen Wein, der Ihnen in letzter Zeit gefallen hat…

Zuletzt habe ich einen Wein aus Neuseeland verkostet, den Pegasus Bay Pinot Noir 2017. Er hat mir sehr gut geschmeckt, ein moderner Wein, sehr frisch, sehr ausdrucksstark.

… und empfehlen Sie uns Ihren Lieblingswein unter Ihren Kreationen.

Wie ich so schön sage: Jeder Jahrgang ist wie eine Geburt, und jeder Bottich ist wie ein Kind. Die Entscheidung, welchen Wein man wählen soll, ist also kompliziert. Jeder Wein hat seinen eigenen Stil und seinen eigenen Moment. Aber wenn ich mich für einen entscheiden müsste, wäre es derr Tarsus T3rno. Wir stellen nur eine sehr kleine Menge mit Trauben aus drei ausgewählten Parzellen her und es ist der Wein, der die Identität von Tarsus am besten repräsentiert, obwohl ich sie alle liebe!

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